Die neue Spieljochbahn eröffnete eine neue Ära der Ferienregion Fügen Spieljoch im Zillertal
Leitner ropeways
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ISR-Reportage

Neues Zeitalter am Spieljoch

Nach der Übernahme des Spieljochs in Fügen durch die Schultz-Gruppe wurde im Gebiet stark investiert. Im Mittelpunkt der ersten Ausbaustufe steht die neue Spieljochbahn.

Created by Roman Gric

Neue Inhaber investieren kräftig

Die 1.920 m hohe Bergalm Spieljoch wurde von der Gemeinde Fügen im Vorderen Zillertal mit der 4er-Kabinenbahn von Girak schon am 1. März 1974 erschlossen. Der Vater der Geschwister Schultz hatte als Geschäftsführer der Raiffeisenkasse an dieser Pionierleistung wesentlichen Anteil. Im Jahr 1989 wurde die Kabinenbahn modernisiert und mit neuen 4er-Kabinen versehen. Seitdem vergingen bis 2016 weitere 27 Jahre, und das Gebiet Fügener Spieljoch wurde trotz einiger Investitionen der vorherigen Eigentümer immer weniger konkurrenzfähig. Der Schuldenstand in Form von Krediten und Leasingverträgen betrug vor der Übernahme durch die Schultz-Gruppe 13 Mio. Euro. Nach dem Inhaberwechsel im Jahr 2016 investierte die Fügen Bergbahn GesmbH & Co KG als Mitglied der Schultz-Gruppe allein vor dem Winter 2017/2018 in die Spieljochbahn, in einen Speicherteich und in die Gastronomiebetriebe rund 35 Mio. Euro.


Die Spieljochbahn ganz neu

Die größte Investition der ersten Ausbaustufe war der Bau der neuen Spieljochbahn, einer 10er-Kabinenbahn in zwei Teilstrecken von Leitner ropeways. Die Trasse der neuen Bahn entspricht auch mit der Mittelstation, wo die Trasse einen leichten Knick nach rechts macht, der Trasse der Vorgängerbahn.
Zum ersten Mal kamen bei der Spieljochbahn die neuen Diamond-EVO-Kabinen zum Einsatz, die breiter und länger als die klassischen Diamond Kabinen sind. Durch die Neugestaltung der vertikalen Tragstrukturen lässt sich auch das Innenleben der Kabinen wie Sitzbänke und Handgriffe noch besser anbringen. Der neue Hauptrahmen und das Außenprofil sind an das Pininfarina-Design der Symphony-Kabine angelehnt. Die auf den ersten Blick erkennbare Neuerung der EVO-Kabine sind die Schiebetüren statt der bisherigen schwenkbaren Türen (siehe ISR 4/2017, S. 26).


Drei Stationen, ein Direktantrieb

Die Talstation der Spieljochbahn ist mit 30.000 m3 Bauvolumen großzügiger als die Vorgängerstation und bietet neben der Seilbahntechnik einer Skischule, einem Sportshop und natürlich den Betriebsräumen der Bahn Platz. Im Zuge des Umbaus wurden Niveauunterschiede ausgeglichen und die Parkplätze auf eine Ebene mit der Station gebracht. Eine Landesstraßenunterführung ermöglicht den Gästen ohne Straßenüberquerung von der Piste direkt in die Station zu gelangen. Große Glasflächen, die im Frontbereich mit Holzpanelen ummantelt sind, kennzeichnen die architektonische Gestaltung.
In der Mittelstation Kohleralm sind in einem zweistöckigen Kabinenbahnhof alle 99 bzw. im Endausbau 132 Kabinen garagiert. Die Bahn kann je nach Bedarf in vier verschiedenen Betriebsarten mit unterschiedlicher Kabinenanzahl fahren, bei niedriger Frequenz (z. B. am Abend) auch mit Kabinengruppen (Konvoi-Betrieb). Die Umstellung zwischen verschiedenen Betriebsarten kann auch ohne Unterbrechung des Betriebes erfolgen.
In der Mittelstation befindet sich der 1.661 kW starke Direktantrieb, der mit einer zweirilligen Antriebsscheibe beide Teilstrecken antreibt, wobei jede Teilstrecke über eine eigene Förderseilschleife verfügt und die Kabinen die Mittelstation durchfahren. Man kann hier in beiden Richtungen zu- und aussteigen. Die Förderseile werden in der Tal- und in der Bergstation gespannt. Eine derartige Antriebs­lösung eignet sich für Bahnen, bei denen ein separater Betrieb der einzelnen Teilstrecken keinen Sinn macht. Im Gegensatz zu Behauptungen in anderen Fachzeitschriften ist diese Lösung zwar sehr selten, aber nicht einzigartig. Über eine solche Antriebsanordnung verfügen neben der Wispile-Bahn in Gstaad (CH) und der neuen Spieljochbahn auch die Kabinenbahn Oberdorf – Weissenstein (CH) oder die Kabinenbahn in Kals am Großglockner (A).
Auch die Bergstation wurde neu gebaut – um 35 m nordseitig versetzt (beim Blick vom Tal rechts) und um 3,5 m abgesenkt. Die alte Bergstation hat die Gastronomiebetriebe in zwei Bereiche unterteilt, was mit der neuen Platzierung der Station beseitigt wurde, und durch die Absenkung konnte der Niveauunterschied zur Bahnstation ausgeglichen werden. Im Gebäudekomplex Mountain Loft der neuen Bergstation haben ­neben den Gastronomiebetrieben auch ein Kindergarten und eine Skischule Platz. Durch breite Glasflächen bietet die Bergstation eine traumhafte Aussicht auf die Bergwelt. Mit der großzügigen Verwendung von traditionellen Materialen wie Lärchenschindeln oder Schiefer wurde das Gebäude bestens in die umliegende Berglandschaft integriert.
Die ganze Bahntrasse ist beleuchtet, in der ersten Teilstrecke mit weißen LED, in der zweiten mit RGB-LED, die alle Farben annehmen und auch gedimmt werden können. Da die Bahn im Winter wie im Sommer fährt, kann sie somit auch Nachtfahrten durchführen. Die ersten Fahrgäste konnten mit der neuen 10er-Kabinenbahn rechtzeitig vor der Wintersaison am 20. Dezember 2017 auf das Spieljoch fahren. Während der ersten Wintersaison wurden keine technisch bedingte Betriebsstörungen oder Unterbrechungen verzeichnet.


Aus Alt mach Heiß

Mit dem Abtragen der alten 4er-Kabinenbahn wurde im März 2017 begonnen. Ganz ausgedient haben die traditionellen CWA-4er-Kabinen aus dem Jahr 1989 der alten Spieljochbahn noch lange nicht. Sie starten ihr neues Leben als wetterfeste Sitzmöglichkeiten in Biergärten, als Spa-Erlebnis in Hotels, umgebaut zur privaten Mini-Sauna, oder ganz spektakulär: zur Regeneration für Extremsportler in Nepal. So steht die höchstgelegene Spieljochkabine der Welt nun im Mount Everest Base Camp auf 5.200 m Meereshöhe und dient der Regeneration und Erholung der Bergsteiger, wobei die nötige Energie eine Brennstoffzelle liefert.


Die Schultz-Gruppe

Als eines der erfolgreichsten Unternehmen im alpenländischen Tourismus betreibt die Schultz-Gruppe sieben Skigebiete mit rund 70 Seilbahnen, eine Reihe von Hotels, Skihütten, ein Reisebüro und einen Agrarbetrieb. Auch eine ­eigene Baufirma und ein 18-Loch-Golfplatz gehören dazu. Mit diesem Portfolio ist das Unternehmen sehr breit aufgestellt.
Als eine der wichtigsten Bedingungen für die Überlebensstrategie von Hotellerie und schließlich auch der Skigebiete selbst sieht die Schultz-Gruppe die Verlängerung der Saison und sinnvolle Erweiterung des Sommerangebots. Dieser Strategie entsprechen die vielfältigen Möglichkeiten von Juni bis Oktober auf dem Spieljoch: eine perfekte Mischung aus Action und Genuss, seien es die kulinarischen Highlights in der neuen Bergstation Mountain Loft, ein neuer Adventurepark an den Speicherseen, ein dichtes Netz an Spazierwegen und Kletterrouten oder mehrere Mountainbike- und Downhill-Strecken.


Weitere Ausbaupläne am Spieljoch

Die Schultz-Gruppe hat auch ihr bisher wohl spektakulärstes Projekt im Zillertal vorgestellt: Errichtung einer talüberspannenden 3S-Umlaufbahn, deren 3,2 km langes Spannfeld teils 900 m über Grund verläuft. Diese Bahn vom Riederer Wetterkreuz zum Onkeljoch soll die bislang eigenständigen Gebiete Spieljoch und Hochzillertal verbinden. 2.680 P/h wird die Bahn in 36 Kabinen befördern. Diese rekordverdächtige Bahn soll über drei Stützen verfügen, von denen die höchste 140 m misst.
Zugleich mit dem Bau dieser „Peak-to-Peak“-Bahn wird auf der fügener Seite eine weitere 10er-Kabinenbahn gebaut – die Onkeljochbahn, die die bestehende fixe 3er-Sesselbahn ersetzt und als Zubringer zu der 3S-Bahn dienen wird. Die Kreuzung beider Bahnen erfolgt unterhalb der Bergstation der Spieljochbahn, wozu bereits die Stütze Nr. 20 der Spieljochbahn verstärkt und mit einem zweiten Querträger für die Onkeljochbahn versehen wurde.
 

Roman Gric
Die neue Talstation überzeugt neben ihrer Geräumigkeit und Funktionalität auch mit ihrer Architektur.
Roman Gric
Roman Gric
Die Bergstation der alten 4er-Kabinenbahn hat die Gastronomiebetriebe in zwei Bereiche unterteilt.
Roman Gric
Leitner ropeways
Die neue Bergstation wurde um etwa 30 m rechts verschoben und in das neue Mountain Loft niveaugleich mit den Gastronomiebetrieben integriert.
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